13 Juli 2013

Pta oder "Piccola traversata delle Alpi" 2013

Montag, 1. Juli 2013
 

ob er inzwischen ein anderes Buch liest als 2012?

Wo im letzten Jahr rausgeschlendert wurde, setzten wir in diesem Jahr reinschlendernd an zur nächsten Etappe der "Gta", die aber - da mit weniger Zeit und in in einer Variante startend - eher eine "Pta", eine "kleine Alpenüberquerung" werden sollte diesmal. Wobei wir nur in den Anreiseorten ähnlich einsetzten. Den Ort (Sambuco) des wandernden Rausschlenderns würden wir erst Tage später erreichen.

Die Planung: einsteigen in eine "Variante" der GTA im Valle Maira.
Startpunkt: Bassura/Stroppo. Nach 3 Wandertagen soll Sambuco erreicht werden; der Ort, in dem wir beim letzten Mal - aus einer hochgebirgigen Variante von anderer Seite kommend - unsere Tour vor einem Jahr beendet hatten.



Die dann noch verbleibenden 5 festen Wandertage - plus weiterer 1 bis 2 "Lufttage" zur freien Verfügung (z. B. zum Aussitzen von Schlechtwetter, Entspannen, für eine gepäckfreie Gipfeltour etc.) - sollten weiter in grobe Süd-Westrichtung führen aber nicht strikt der kürzest möglichen Route zum letztlichen (aber noch nicht diesjährigen) Ziel der Gta, dem Mittelmeer, folgen.

Vielmehr lassen sich hier in dieser Gegend einige interessante kulturelle und landschaftliche "Highlights" eher im ZickZackKurs erreichen, so dass die geplante Route einen Halbkreis beschreibt und nur ca. 4 der Etappen tatsächlich auf das "schiere Weiterkommen dem Meer entgegen" ausgerichtet sind. So wollte es meine Planung. Wer erfahren möchte, ob das Leben meiner Planung immer Rechnung trug, wird nicht drumherum kommen, die folgenden Tage hier mitzulesen ;)



Beim Flug nach Turin mit fast ungetrübtem Blick auf die Berg- und Talwelt der bayerischen Voralpen beschleicht mich ein vage irreales Gefühl ob dieser Idee, völlig ohne Not und konkretes Überlebensziel tagelang solche und noch dazu teilweise viel höheren Bergkämme zu überqueren und folglich tagein tagaus immer wieder hoch und runter und runter und hoch zu latschen mit ordentlich Gepäck auf dem Buckel.

Das Gepäck: das letzte Jahr mit viel zu schwerer Rucksacklast hat insofern einen Lerneffekt beschert als wir beide uns gleich im Vorfeld auf eine Obergrenze von 10kg pro Rucksackgewicht festlegten und diese beim Packen auch weitgehend einhielten. Hinzu kam bei mir lediglich das noch nicht berechnete Getränk (nie mehr als 1/2 l) - andererseits würden mitgenommene Äpfel und Nussriegel nach und nach vertilgt, so dass die 10kg wohl immer ungefähr das tatsächliche Gewicht betrugen. Selber mit ein bis zwei Kilo geringerem Eigengewicht startend als im Vorjahr gab ich mich der Hoffnung hin, um diesmal also ca. 5kg leichter, auch viel leichter - ja geradezu gemsenartig ;o) - die Bergpässe erklimmen und überqueren zu können.



Zwischenstation im inzwischen schon fast vertrauten Cuneo, wo die Pause des auf-den-Bus-Wartens mit zielstrebig angepeilter Eisdiele und Vertilgen eines Mega-Eisbechers ausgefüllt wird. Schließlich - und das wird die Losung der nächsten Tage - brauchen wir Energie für die Wanderungen. Wird alles wieder abgewandert. Da geht schon noch was ....

Eine kleine Busodyssee später erreichen wir noch am selben Abend die LocandaAlla Napoleonica” di Bassura di Stroppo. Ich hatte uns per Mail für Doppelzimmer und Menu angemeldet, alles in - vermutlich sogar recht anständigem - Italienisch. Dank Google-Translator ;) denn leider war auch in diesem Jahr der feste Vorsatz, nun aber wirklich mal etwas besser Italienisch zu lernen, im Mühlwerk des Alltags zu Wunschstaub zermahlen und in alle Winde der Arbeitswelt zerstäubt worden. Mein Italienisch also nicht nur nicht besser als nach letztem Urlaub sondern nach einem komplett italienischsprachfreien Jahr zu einem erneuten Nichts hinweggeschrumpft.

Der Mailwechsel mit Rückfrage, fluffig-freundlicher Antwort und letztlich fester Bestätigung hatte - Google sei Dank - trotzdem einen amüsant-freundlichen Ton und so lernte ich vorsichtshalber und vorbeugend den Satz auswendig:

"Parlo solo italiano con Internet e il programma di traduzione"
(ich spreche nur mit Internet und Übersetzungsprogramm Italienisch)


den ich auch fast sofort mit schüchtern-zerknirschter Mine augenzwinkernd anbringen konnte. Denn im selben Bus war mit uns noch ein Ehepaar aus der Schweiz angereist (sie sprachen wohl recht gut Italienisch - zumindest für meine Ohren klang es danach) und um die Zimmer zuordnen zu können, blickte Wirt bzw. Hotelier Massimo in die kleine Runde und fragte umgehend: "Chi è Elizabeth?"  woraufhin ich mich sehr kleinlaut aus dem Hintergrund meldete: "Sono Io" und meinen gelernten Satz aufsagte. Ein erheitertes Grinsen war die Antwort und so entstand auf Anbieb eine auch real amüsant-amüsierte Atmosphäre mit persönlicher Note. Was auch sprachfrei funktionieren kann.


Die "Locanda alla napoleonica" entpuppte sich fast unerwartet als ein Ort perfekter piemontesischer Küche. Das Menü - in den dortigen Osterias gibt es fast nie ein Essen à la carte sondern ein festes meist vier- oder auch fünfgängiges Tagesmenü, gelegentlich mit zwei Auswahloptionen bei den beiden Hauptgängen - so umwerfend köstlich mit teilweise ungekannten einfach-raffinierten Geschmackskombinationen, dass wir aus dem dahinschmelzenden genussvollen Geschmacksstaunen nicht heraus kamen bevor der letzte Krümel des Essens vertilgt und der letzte Rest des nicht minder köstlichen Weines ausgetrunken war.

Wieder einmal der frivole Gedanke: "Sollten wir nicht doch einfach Urlaub machen, hier bleiben, schlemmend und evtl. gepäckfreie Wanderungen unternehmend dieses herrliche Mairatal genießen?"




Kommentare:

Martin hat gesagt…

Bin jetzt schon gespannt wie es weitergeht!
Tolle Idee so eine mehrtätige Tour. Ich würde es wohl nicht schaffen.

lizzy hat gesagt…

Hallo Martin,

was sollte dich daran hindern, ein kleines Alpen-Trekking-Tourchen zu schaffen?
Vielleicht die manchmal spartanischen Unterkünfte? oder die Notwendigkeit, abends die Klamotten per Hand durchzuwaschen?
Alternativ kann mensch ja auch ein bisschen doller stinken ;-)

Wie ich sehe, warst du ebenfalls grad in Urlaub - also gucke ich mir drüben bei dir gleich die alternative Variante des Entspannes an.

Schön, dass du mitliest

Gruß
Lizzy

Martin hat gesagt…

Ich will ja schon länger mal "was in den Bergen" machen und hoffe ich schaffe das mal nächstes Jahr. Und waschen kann ich perfekto :-)

Blumenmond hat gesagt…

Hach, nur schon beim Vorwort verfalle ich in totale Reiselust und würd am liebsten sofort den Rucksack packen und losziehen. Dazu noch italienische Küche und Wein - ich glaub, es gibt kaum etwas Besseres. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

lizzy hat gesagt…

Zum unterwegs-waschen (wer weiss, Martin - vielleicht verschlägt's dich ja wirklich noch zum Trekking;) ein Tipp: vergesst "Rei in der Tube" und al diese "Reisewaschmittel". Die Tuben schließen schlecht, das Zeug schmiert und müffelt. Erkenntnis aus dem Vorjahr und dieses Jahr waren wir bestens zufrieden mit Seifen und shampoos, die es unterwegs entweder gab oder sich ohnehin im Gepäck befanden.

Anja, die piemontesische Küche ist sensationell. Aber ich habe unterwegs mehrfach überlegt, was ein Veganer auf so einer Tour essen würde. Vegetarisch geht noch, wenn vorangemeldet. Da wird dann einfach dies und das weggelassen und mehr von Gemüse oder Käse gereicht. Aber konkrete Einzelwünsche würden die Kocherei in Berghütten und mini-Osterias sicher sprengen und überfordern. Du erfährst erst beim Essen, was es gibt und dann wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Was für die allermeisten Menschen grenzenlos köstlich daherkommt. Aber sicher nicht vegan.

Blumenmond hat gesagt…

Realist und erfahren genug kann ich mir das gut vorstellen. Ich würde bei einem solchen Urlaub die vegetarische Küche anpeilen, vegan, wenn möglich. Fleisch geht auf gar keinen Fall aber das bekommt man eigentlich immer hin. In Irland kommt man vegan auch nur unter Schwierigkeiten hin. Da ich keine ethisch motivierte Veganerin bin sondern eine gesundheitlich/ökologische, kann ich das dann ohne Gewissensbisse machen. Deswegen dürft ich mich auch eigentlich nicht Veganerin "schimpfen" aber das ist ein anderes Thema.

lizzy hat gesagt…

Unter der Vorausgabe würde es klappen dort. Jedenfalls in Osterias und bei Massimo z. B. sowieso ;)

Könnte mir vorstellen, dass - wenn vorangemeldet und vielleicht sogar für ein paar Tage - das sogar den Ehrgeiz der KöchInnen wecken würde. Sie sind dort zu dritt und sehr engagiert und den Gästen zugewandt.

Spontan ginge vegan vermutlich so ziemlich nie. Vorangemeldet manchmal. Vegetarisch sollte fast überall machbar sein.